Chronik von Simbach am Inn fertig übersetzt

 

 

        

 

 

Simbach Chronik

Nach fast 4 Jahren in mühevoller Kleinarbeit wurde diese alte Chronik von Simbach am Inn, 1864 erstmals herausgegeben von Jakob Groß, von der Altdeutschen Schrift in die heutige Schriftweise von mir und meiner Tochter übersetzt. Sämtliche Worte, ihre Bedeutung und ihre Schreibweise wurden dabei beibehalten. Inhalt sowie Text wurde von uns absichtlich nicht verändert.

 

 

 

Wenig Vieh und unansehnliche Menschen
Artikel in der PNP vom Montag 23.August 2010 von Walter Geiring. Vielen Dank dafür!

Kuriose Dinge stehen in der Stadtchronik von Jakob Groß- Jetzt kann man sie auf der Simbacher Homepage lesen
 

 

 

Übergabe der Simbacher Chronik

 

 

 

Die Chronikübergabe von Gerhard S. (Mitte) an den damaligen Bürgermeister Günther Wöhl und Petra Unterbuchberger, zuständig für das Archivwesen der Stadt. (Foto: Geiring)

 

Simbach.  Ein richtiges Gustostück für heimatkundlich Interessierte gibt es jetzt kostenlos auf der Internet-Seite der Stadt.
Es war die erste umfassende Chronik des damals kleinen Grenzortes, die vor 146 Jahren in mühseligen Stunden durch den königlich-bayerischen Zollassistenten Jakob Groß aus vielen Archiven, Schriftstücken und Geschichtsbüchern über Simbach herausgebracht wurde. Am Mittwoch, 31. Juli 1861, erhielten die Mitglieder der Simbacher Gemeindeverwaltung in einem feierlichen Akt das erste handgeschriebene Exemplar durch seinen Schwiegervater, den königlichen Oberzollinspektor Alois Rehm, überreicht.
Drei Jahre später, im Juni 1864, erschien das Werk in gekürzter Form als Sonderdruck in den „Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern“ bei einem Landshuter Verlag. Nun kann diese Chronik auch im Internet bestaunt werden. Einen großen Anteil daran haben Hobbyhistoriker Gerhard S. und seine Tochter Kathrina aus Simbach. Beide haben das 171 Seiten starke Buch in die heutige Schriftform gebracht und im Textprogramm„Word“ niedergeschrieben.
„Dies dauerte mehrere Jahre, weil wir ja auch nicht immer Zeit hatten. Dabei wurden weder Worte, ihre Bedeutung und ihre Schreibweise, Inhalte beziehungsweise Texte verändert“, resümiert S., der bei der Durcharbeitung des Buches auch viel Neues über seinen Heimatort erfahren konnte.
So nimmt nach Aussagen von S. in den Aufzeichnungen von Jakob Groß die Stadt Braunau einen breiten Raum ein. Von der Gründung Braunaus, der Stadterhebung unter Herzog Ludwig I. und der Abtretung der altbayerischen Stadt samt dem Innviertel am 13. Mai 1779 an das Haus Lothringen-Habsburg wird hierin berichtet. Auch wenn aus heutiger Sicht viele Passagen zum Schmunzeln verleiten, so gab Groß doch auch ein detailliertes Bild von Simbach und den Bewohnern dieser Region ab. Auf Seite 79 ist etwa über Simbach zu lesen: „Der Viehstand ist unbeträchtlich, das Vieh ist klein und unansehnlich und gleicht ganz der Menschenrasse. Klee- und Erdäpfelbau fangen erst an, die Wiesen- und Gartenkultur aber schläft noch tief. Gerste und dergleichen baut man nur zur Notdurft.“
Ersteigert hatte der Heimatforscher die Original-Chronik über das Auktionshaus „ebay“ vor drei Jahren. Entsprechend groß war die Freude, als der Hobby-Historiker das sehr gut erhaltene Buch dann in seinen Händen hielt. „Ich hätte nie gedacht, dass ich den Zuschlag zu diesem Preis erhalte, zumal das in Dunkelblau eingebundene Buch mit dem Aufdruck ,Öffentlicher Schulpreis‘ in hervorragendem Zustand ist“, so S., der für seinen Buch-Schatz nur einen zweistelligen Eurobetrag bezahlen musste.
Eigentlich ist der Simbacher begeisterter Postkartensammler.
 

Beim Suchen nach neuen Motiven - mittlerweile besitzt er über 300 Postkarten von Simbach und Umgebung - kam er auf das Angebot und bot eifrig mit.
Kürzlich übergab S. im Rathaus an Bürgermeister Günther Wöhl und Archivbetreuerin Petra Unterbuchberger eine CD mit den Dateien der Groß-Chronik. Von jetzt an kann Simbachs erste umfassende Heimatchronik auch im Internet bewundert werden. Man findet sie unter
 

www.simbach.de unter dem Link „Rathaus/Archiv“.

 

 

 

Artikel in der PNP

100.Rathausgeburtstag  

am 01. Mai 2009 in der PNP 

 

 

Simbach Rathaus

 

Von Franz Gilg Simbach. Ein runder Geburtstag nähert sich für das Rathaus an der Innstraße, denn der stattliche Bau wurde 1910 fertig gestellt. Seine „Zeugung“ - die feierliche Grundsteinlegung - fand vor exakt 100 Jahren statt: am 1. Mai 1909. Simbach war vor dem ersten Weltkrieg noch ein Dorf mit etwa 4200 Einwohnern, aber stetig im Wachsen. Die erste städtebauliche Entwicklung mit der Achse Innbrücke - Innstraße - Stachus und Pfarrkirchner Straße hatte man gerade abgeschlossen. Nun wurde das alte, schlichte Gemeindehaus zu klein. Man rechnete es den damaligen Verantwortlichen hoch an, dass sie den Mut hatten, gleich daneben einen stattlichen Neubau im barockisierenden Jugendstil hinzustellen. Immerhin kostete das Rathaus die damals erkleckliche Summe von 128 000 Mark (etwa 65 000 Euro). Für eine ebenso geplante Gartenanlage mit einem monumentalen Springbrunnen reichte das Geld nicht mehr. Der Platz wurde schließlich gepflastert. Die vier berühmten Keramikputten an der Vorderseite kamen übrigens erst 1913 hinzu. Von der Zeremonie der Grundsteinlegung existieren noch ein paar Fotos, jedoch nur spärliche Informationen über Details des Festaktes. Ehrengast war der königliche Bezirksamtmann Josef Schmidinger. Neben Bürgermeister Anton Mühldorfer fanden sich auch der Gemeinderat (damalige Bezeichnung: Gemeindeausschuss), die Schuljugend und eine „große Volksmenge“ ein. Pfarrer Franz Xaver Hölzl nahm die kirchliche Segnung des Grundsteins vor. Schmidinger hielt eine Festrede, dann folgten die üblichen Hammerschläge. In den Stein gelegt und eingemauert wurde eine kupferne Kapsel, die Silber- und Scheidemünzen enthielt, dazu die Urkunde als amtliches Dokument. Diese bestand aus Pergament und war mit „zierlicher Mönchsschrift“ ausgefertigt. Ihr Schlusssatz lautete: „Möge Gottes Segen stets über diesem Hause walten und von demselben allzeit ersprießliche Förderung zum Wohle und Gedeihen der Gemeinde Simbach ausgehen.“ Entwurf und Plan für den Neubau des Rathauses stammten vom Architekten Peter Danzer aus München. Die Erd- und Maurerarbeiten erledigte die Firma von Anton Kagerbauer aus Simbach. Das alte Rathaus wurde übrigens 1910 abgetragen und in der Ortschaft Ewigkeit wieder errichtet. Der Neubau erfuhr seine Inbetriebnahme am 1. Juni 1910. Im Erdgeschoss waren der Bürgermeister, das Standesamt und die Sparkasse untergebracht, im ersten Stock befanden sich der Fest- und Sitzungssaal sowie einige Wohnräume. Der Turm diente als Museum,und im Keller, ja, da hatte die Stadtpolizei eine Gefängniszelle. Später wurde dort die Bücherei untergebracht. Das Haus erlebte die Stadterhebung Simbachs 1951, wurde unter Denkmalschutz gestellt und erfüllte 60 Jahre seinen Zweck, bis es zu klein wurde. Deshalb entstand 1970 ein Anbau an der Westseite. Zugleich wurde das Gebäude um ein weiteres Geschoss aufgestockt. 15 Jahre später beschloss derStadtrat unter Leitung von Bürgermeister Richard Findl, das Gebäude funktionsgerecht zu sanieren. Planer war Architekt Otto Grimm aus München, die technische Ausführung lag beim Ingenieurbüro Peter Kessler aus Eggenfelden. Zwischen 1987 und 1988 ging die Generalsanierung über die Bühne. An der Westseite entstand ein neuer, behindertengerechter Zugang. Eingebaut wurden ein Aufzug sowie eine von außen zugängliche öffentliche Toilette. Im Obergeschoss funktionierte man die immer noch vorhandenen Wohnungen in Büros um. Eine wichtige Maßnahme betraf auch den großen Saal, der seit den 50er Jahren zweckentfremdet war. Hier fanden Kino-Vorstellungen und Kulturveranstaltungen statt. Der Rat tagte im kleinen Sitzungszimmer. Nun wurde der große Sitzungssaal wieder seiner früheren Bestimmung zugeführt. So verdoppelte sich die Nutzfläche von 400 auf 800 Quadratmeter. Die Sanierung kostete fast das Zehnfache als seinerzeit der Bau, nämlich etwa 2,3 Millionen Mark. Zum „Hundertjährigen“ der Grundsteinlegung plant die Stadt keine festlichen Aktivitäten, aber aus gegebenem Anlass öffnet Bürgermeister Günther Wöhl am morgigen Samstag in der Zeit von 10 bis 12 Uhr das Rathaus und bietet Führungen durch das Gebäude an. Interessierte Besucher werden dabei Informationen über die Baugeschichte des Rathauses erhalten. Besichtigt werden können die Sitzungssäle und vom Rathausturm ist ein Blick über ganz Simbach möglich. Die Führungen fanden statt um 10, 10.30, 11, 11.30 und 12 Uhr. Den runden Geburtstag im Juni 2010 hat man dann gebührend gefeiert.

 

Eine ganze Familie im Geschichtsfieber

Artikel im Wochenblatt vom Mittwoch 22.August 2007 von Walter Geiring. Vielen Dank dafür!

 

 

 

Es war schon ein  besonderes Schnäppchen, das Gerhard S. aus Simbach am Inn über das Auktionshaus ebay vor einem Jahr ersteigerte: Die Chronik von Jakob Gross aus dem Jahre 1864 über seine Heimatstadt. Entsprechend groß war die Freude, als der Hobby-Historiker das sehr gut erhaltene Buch dann in seinen Händen hielt. Die altdeutsche Schrift brachten die Familie S. dann innerhalb eines Jahres in die heutige Schriftform.„Ich hätte nie gedacht, dass ich den Zuschlag zu diesem Preis erhalte, zumal das in Dunkelblau eingebundene Buch mit dem Aufdruck ,Öffentlicher Schulpreis´ in hervorragendem Zustand ist“, so S., der für seinen Buch-Schatz nur einen zweistelligen Eurobetrag bezahlen musste. Eigentlich ist der Simbacher begeisterter Postkartensammler. Beim Suchen nach neuen Motiven für seine Sammlung, mittlerweile besitzt er über 300 Postkarten von Simbach und der Umgebung, kam er auf das Angebot und bot eifrig mit.

 

Die Familie erfuhr viel Neues aus der Heimat, Interessant ist auch die Innenseite: Das Buch war der zweite Preis, das einem Schüler am 4. Juni 1884 verliehen wurde, dies verrät zumindest die Widmung, die in schöner alter Schreibschrift zu lesen ist. „Nachdem wir mit dem Lesen der altdeutschen Schrift etwas Probleme hatten, beschlossen wir, das Buch in die heutige Schriftform zu bringen“, sagt S. Dabei wurde er von seiner 15-jährigen Tochter Kathrina und Ehefrau Lisbeth unterstützt. Um das wertvolle Buch durch das ständige Umblättern zu schützen, ließ Gerhard S. zunächst eine Arbeitskopie anfertigen. Von diesen neuen Seiten erfolgte nun die „Übersetzung“ in die heutige Schriftform. „Viele Wörter werden heute nicht mehr verwendet, und die Schreibweise hat mit unserer jetzigen Rechtschreibung nichts mehr zu tun“ stellte Kathrina fest, die hauptsächlich in ihren Ferien die 172 Seiten überarbeitete. „Dabei erfuhren wir auch viel Neues über unsere Heimat“, freute sich Mutter Lisbeth, die ihrer Tochter beim Überarbeiten der Seiten hilfreich zur Seite stand. So schildert Jakob Groß, der 1.Hauptzollamts-Assistent in Passau war, neben der Geschichte des Inntals in der Römerzeit auch die Gründung der Nachbarstadt Braunau im Jahre 1202 unter Herzog Ludwig I.  

Napoleon erreichte 1805 Simbach am Inn.

 

 

 

Reichlich finden sich Schilderungen über Kriegshandlungen: So gibt es detaillierte Angaben zum niederbayerischen Erbfolgekrieg, der Schlacht bei Simbach, dem Erscheinen der Schweden und die Eroberung durch die Franzosen, die um Julbach, Lengdorf und Simbach ihr Lager errichteten. Dabei wurde auch über die Ankunft Napoleons berichtet, der am 29. Oktober 1805 um 3 Uhr von Burghausen kommend Simbach erreichte.Schmunzeln muss S. über die Charakterisierung der Simbacher durch Groß vor über 140 Jahren: „Der Viehstand ist unbeträchtlich, das Vieh ist klein und unansehnlich und gleicht ganz der Menschenrasse.“ Interessant auch das Kapitel über den früheren Weinanbau: Bereits 1474 gab es einen Weingarten in der Nähe von Thalham, der den Namen Weinleiten trug. Dass damals noch raue Sitten herschten, fand S. auf Seite 74: Ein Eringer wurde 1766 wegen Diebstahls mit einer Stange hingerichtet. Wegen demselben Delikt verlor 1794 eine Taglöhnerin aus Thalham ihren Kopf. Dass es sich bei dem Buch um eine besondere Rarität handelt, bestätigte Karl R. vom Simbacher Heimatmuseum: „Vor allem für Geschichts-Interessierte dürfte der gezahlte Preis um ein Vielfaches höher liegen.“

 

    

 

Sie haben Post

 

Artikel in PNP vom Montag 21.August 2006 von Elena Rüth. Vielen Dank dafür!

 

 

 

 

Simbach. „Sie haben Post“ - diesen Spruch hört der 40-jährige Gerhard S. vermutlich am liebsten. Der Simbacher ist leidenschaftlicher Postkartensammler. Knapp 300 Ansichtskarten hat er inzwischen in seine Ordner sortiert. Sie alle zeigen Simbach und Umgebung. Gekauft hat er seine Sammlung nach und nach bei einem Online-Auktionshaus. Gerhard S. ist das, was man einen leidenschaftlichen Sammler nennt. Briefmarken, Miniatur-Ferraris und Sand von Stränden aus aller Welt stehen in einer Vitrine im Wohnzimmer. Vor vier Jahren fiel dem Hobby-Philanthrop eine Briefmarke mit Simbacher Poststempel in die Hände und eine neue Sammelleidenschaft war geboren: alte Postkarten aus Simbach. „Ich habe mich schon immer sehr für die Geschichte Simbachs interessiert“, sagt S., „durch die Ansichtskarten wird die Stadt, mit ihrem früheren Gesicht wieder lebendig.“ Seit mehreren Generationen lebt die Familie S. in der Innstadt. 1930 wurde Gerhard S. Mutter hier geboren, ein Umzug in eine andere Gegend stand nie zur Debatte. In den Regalen stehen Bücher über die Geschichte der Stadt. Der Sammler hat sie alle gelesen. Mehrmals. Trotzdem zieht es den Chemiewerker, der bei Wacker arbeitet, oft in die Ferne. An der Wand hängen drei Uhren, die die Ortszeiten in Frankfurt, New York und Tokio anzeigen. „Ich fahre leidenschaftlich gerne in den Urlaub. Gemeinsam mit Frau und Tochter habe ich schon fast die ganze Welt bereist“, erzählt S. „Trotzdem: In Simbach sind meine Wurzeln, hier fühle ich mich wohl.“ Die Karten für seine Sammlung hat er alle im Internet ersteigert. Täglich gibt er hier das Stichwort „Simbach“ ein, studiert die neuesten Angebote. Manchmal sind echte Schnäppchen dabei. Wenn keine Mitbewerber mitbieten, dann kostet ein Bündel Karten zum Teil nur rund einen Euro. „Wenn es sich lohnt, greife ich auch tiefer in die Tasche“, gibt er zu. Sein teuerstes Stück: Eine Postkarte, die das Luftschiff von Graf Zeppelin über Simbach zeigt. Für 32 Euro bekam S. den Zuschlag. „Das ist aber wirklich die oberste Schmerzgrenze“, betont er. Die Motive der Ansichtskarten sind vielfältig. Der Sammler hat sie in einer Mappe thematisch geordnet.

Unter der Rubrik „Straßenansichten“ verbergen sich echte Schätze. Die Motive reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Die meisten der Häuser sind inzwischen abgerissen oder so umgebaut, dass sie nicht mehr zu erkennen sind. Auch das dunkle Kapitel der deutschen Geschichte lässt sich anhand der Karten rekapitulieren. „Adolf-H*****-Straße“ hieß die heutige Innstraße damals. Aus der selben Zeit stammen Motive auf denen zu lesen ist: „Simbach - Nachbarn der Geburtsstadt unseres Führers.“ Sobald S. eine neue Karte ersteigert hat, versucht er rauszufinden, wo das Motiv aufgenommen wurde. Seine kompetenteste Beraterin: die eigene Mutter. „Sie kann sich noch an das frühere Stadtbild erinnern und gemeinsam erkunden wir dann die alten Straßen.“ Nur bei einem Motiv tappt der Sammler noch im Dunkeln. „Villenviertel“ ist auf der Karte zu lesen. „Wo das allerdings gewesen ist, hab ich noch nicht herausgefunden.“ Fast genauso spannend wie die Vorderansicht, sind die Rückseiten der alten Karten. Die meisten sind beschriftet und geben Einblicke in Urlaubseindrücke, Geschäftskontakte und Kriegserfahrungen. „Hier kann man sich toll entspannen“, urteilt ein Urlauber über Simbach und Umgebung. Vermutlich ein junger Mann schickte regelmäßig aus dem Knabeninstitut Mariental Ansichtskarten an seine Verwandtschaft nach Memmingen. S. hat mehr als ein Dutzend dieser Karten. Etliche der Postkarten haben zwar keine Briefmarken, dafür aber den Stempel „Feldpost“ auf der Rückseite. Neben Grüßen an die Familien zu Hause berichten die Soldaten von Gefangenen, und traumatischen Erlebnissen. Manche der Texte sind auf Altdeutsch und in alter Schrift verfasst. Gemeinsam mit seiner Mutter hat S. die Texte entziffert und übersetzt. Religiöse Karten von 1874 haben häufig lateinische Texte, hier kann die Tochter aushelfen. Ein besonderer Schatz für den Sammler ist eine Karte aus dem Jahr 1924. Adressiert ist sie an einen Dr. Müller aus Johanniskirchen. Weitaus interessanter ist allerdings der Absender: Josef Karl Nerud. Der berühmte Simbacher Maler schreibt an den mutmaßlichen Kunstkollegen: „Könnten Sie mir bitte die Van Gogh Briefe schicken?“ Über das Internet hat S. inzwischen auch andere Sammler aus der Umgebung kennen gelernt. „Einmal habe ich den Zuschlag für Karten über die Mädchenschule Marienhöhe bekommen“, erinnert sich der Simbacher. „Daraufhin hat sich eine Frau bei mir gemeldet und mich gebeten, ihr eine der Karten zu verkaufen.“ Auf einer der Motive war ihre Mutter als Schülerin abgebildet. „Da habe ich die Karte natürlich abgetreten.“

 

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