Josef Karl Nerud   

 

>>> Lebenslauf in tabellarischer Form

13.August 1900 - 09.Juli 1982 

Er kam über die Fachschule für Glasmalerei in Zwiesel nach München, wo er von 1921-1927 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste studierte und nach drei Semestern als Meisterschüler Becker-Gundahls ein eigenes Atelier erhielt.

1929 gesellte sich Nerud den „Juryfreien“ zu, jener jungen, weltoffenen Künstlergruppe, die, wie vor ihnen der „Blaue Reiter“ alles aufboten, München wieder in Geltung zu setzen und an die Strömungen der Welt anzuschliessen.

 

Stadt am Wasser (1931) Aquarell

 

Nerud zählte durch seine eigenwillige Farbigkeit und Aussagekraft etwa mit Josef Scharl und Wolf Panizza zu den stärksten Charakteren der Juryfreien. Er stellt bei Thannhauser und im Graphischen Kabinett in München aus, seine Kollektivausstellungen und die Ausstellungen der Künstlergruppe im Glaspalast, in Deutschlands Grossstädten und im Ausland, an denen er eifrig teilnimmt, geben seinem Namen frühen Klang.   

Porträts in den 20er und 30er Jahren von Simbacher Persönlichkeiten wie z.B. Aufschläger, Hellmannsberger, Gerngroß,  Selbstporträts, Porträts seiner Frau Annemarie und Porträts von Freunden und Verwandten spielen eine grosse Rolle.

 

Annemarie Nerud (1931) Aquarell

 

Viele Ölbilder und Aquarelle setzen sich, fest zupackend, mit dem Nächstliegenden auseinander, mit Motiven des täglichen Lebens, des Heimatortes und der auch in späteren Jahren niemals vernachlässigten niederbayerischen Landschaft.

 

Simbacher Rennbahn (1932) Aquarell

 

Dem euphorischen, zukunftsfrohen Treiben der Juryfreien-Zeit setzte das Jahr 1933 ein jähes Ende. Das Reichskammergesetz vom 22.September liess dem Künstler nur die Wahl zwischen Mitmachen oder Emigration. Nerud wählte eine besondere Art der Emigration, nämlich die innere. Gleichsam im Verborgenen lebend (Aufenthaltswechsel zwischen Simbach, Klingenbrunn im Bayerischen Waldund Kutterling bei Brannenburg) verzichtete er auf öffentliche Anerkennung, ging aber mit Zähigkeit auf seinem eigenen Weg weiter.

 

Blick über den Inn (1932) Aquarell

 

Das wiederbelebte Kunstwirken nach dem 2.Weltkrieg vermittelt im Jahre 1947 Nerud die glückliche Begegnung mit dem Architekten Franz Ruf, dem Erbauer der Parkstadt Bogenhausen. Strenge Hochhausfronten mit abwägender Farbgebung, blanke Wände als monumentale Aufforderung mit ruhig ausgewogenen Figurengruppen in konturierender Schnitt-Technik zu beleben, wird, über einen grösseren Zeitraum hinweg, zur willkommenen Aufgabe, die Neruds künstlerische Unabhängigkeit und seine Einprägung sichert und von deren gelungener Lösung die Wandbilder in der Münchner Universitätszahnklinik, in der Volksschule Freimann, der Stuntzschule, der Holzkirchner Kirche, an Wohnbauten der Heimbau-Bayern und an vielen öffentlichen und privaten Gebäuden Zeugnis geben.

Dass jetzt auch die Anerkennung durch die Fachwelt reichlich zurückfloss, ist eine natürliche Folge des regen Ausstellungsbetriebes dieser Zeit; seit 1948 war Nerud wieder regelmässig auf Ausstellungen in München, Hamburg, Essen, Mannheim und anderen Städten vertreten.

Die Kunstkritik sparte nicht mit Lob. 

 

Tor zum Institut Marienhöhe (1949) Aquarell

 

So nannte Richard Braungart Neruds „Aquarelle“ dieser Zeit „gewichtige Dokumente einer in unermüdlichem,ernstem Ringen gewonnenen künstlerischen Reife, die den Künstler heute den besten modernsten Malern ebenbürtig zur Seite stellt“ (Münchner Merkur vom 18.07.1950)

 

Sonderbeilage S.VII vom 1./2.November 1952

 

Im Oktober 1952 erreichte Nerud ein Auftrag, der Ihn hinaufrückte in die Reihe international anerkannter Graphiker.  

Die Redaktion der Neuen Zeitung, des Presseorgans der amerikanischen Besatzungsmacht für Deutschland, forderte ihn auf, die deutsche Erstveröffentlichung der Hemingway´schen Meistererzählung „Der alte Mann und das Meer“ zu illustrieren.

 

 

In den Jahren 1953 und 1954 wird längeres Verweilen auf der spanischen Pityuseninsel Ibiza für Nerud zum zentralen Erlebnis. Das schattenlose Licht auf kalkigen Häusermauern und ruhevoll bewegten, in ihrer Heimattracht wie in einem Ornat schreitenden Menschengestalten lässt Nerud seine besondere Sprache finden. Das leuchtende Weiss, mit sparsamen farbigen Aufenthalten, ist Neruds fundamentale Erkenntnis, dass Weiss nicht Farblosigkeit bedeutet, sondern erregende, intensiv strahlende Farbigkeit ist.

 

Gastgarten am Inn (1957) Mischtechnik

 

Nie vergass Nerud, sich mit seiner niederbayerischen Heimat auseinanderzusetzen. Dazu schreibt sein Biograph Josef Egginger, …galt es doch nun, den Themen, die ihm zeitlebens am meisten am Herzen gelegen sind,endgültig Ausdruck zu geben. Die Landschaft zwischen Inn und Rott, das sanft geschwungene Hügelland mit fruchtbaren Ackerbreiten, dunklen Waldparzellen, Kirchdörfern und Einödbauern in neuer Sicht zu zeigen, schien ihm vordringliche Aufgabe gewesen zu sein. Wie schon bei Ibiza zog er nun auch aus den Motiven des Hügellandes gleichsam einen Extrakt, der dessen Wesen am reinsten auszudrücken vermochte… kalkweisse Kirchtürme und Häuser dominieren, aber auch rost- und erdbraune, graue und schwarze Holzschuppen und Dächer mischen sich darunter, bilden zusammen mit grün variierten Baumkronen die „Blickaufenthalte“unter sattblauem Himmel. In den 60er Jahren wieder Intensivierung der Porträtmalerei. 

 

Niederbayerische Landschaft (1973) Mischtechnik

 

In Einzelausstellungen und gemeinsam mit der„Donau-Wald-Gruppe“, deren Mitglied Nerud war, wurde sein Werk weiterhin in bedeutenden Städten des In- und Auslands präsentiert.

 

Seine Werke sind in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.

 

Ehrungen von Josef Karl Nerud:

1962 Träger des Kulturpreises Ostbayern

1969 benannte man in Simbach und Kirchdorf Strassen nach Ihm.

1970 wurde er Ehrenbürger der Stadt Simbach am Inn.

1970 zeichnete ihn die oberösterreichische Landesregierung als Konsulent für Kunstpflege aus. 

1971 erhielt er für besondere Verdienste, vom Bundespräsidenten, das Bundesverdienstkreuz am Bande.

1973 wurde er von der Innviertler Künstlergilde für langjährige Zugehörigkeit und künstlerisches Wirken zum Ehrenmitglied ernannt. 

 

Josef Karl Nerud, starb am 09.Juli 1982 in Simbach am Inn.

 

Dank an die Quellen:

Michael Nerud, © Bilder

 

Josef Egginger, J.K.Nerud, Sohn und Interpret Niederbayerns,in: Niederbayern, Zeitschrift Für Kunst und Kultur, Geschichte und Gegenwart,Nr. 2 III, 1980

 

Herwig Stöckl, Josef Karl Nerud und seine Kunst, 1970

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